Frühling 2023
stell Dir vor: kürzlich bin ich auf ein Lied gestoßen, das, wenn es nicht schon jemand geschrieben hätte, unbedingt genau so geschrieben werden müsste. Gibt's also auch.
Tief in mir ist Liebe – warme, wohlwollende und vor allem freiheitkompatible Liebe. Ich habe lange Ausschau gehalten, ob auch außerhalb von mir solche Liebe sichtbar ist – und ja, das, was ich meine, ist in mir zwar weder exklusiv noch in höherer Qualität oder Quantität vorhanden, sondern für jeden gleichermaßen verfügbar; nur ist es eben nicht jedermanns Wahl, diese Liebe wirk-lich, wirksam, wirkungsvoll anzuschauen (sonst wären ja die Gedichte schon geschrieben worden, die ich, weil es sonst niemand tut – und zusätzlich angeregt durch besondere Schönheit – schreibe). Wer diese Liebe anschaut, wird kaum vermeiden können, sie abzustrahlen. Gerade durch das außerhalb von mir Ausschau-Halten wurde mir klar, dass ich es nicht anderen überlassen kann, diesen Schatz zu äußern. Er ist Maßstab und Inspiration für das, was ich zu geben habe. Ich investiere in etwas, von dem ich weiß, dass es märchenhaftes Glück für uns beide bereithält. Warum sollte es märchenhaftes Glück denn nur in Märchen geben? Zu einem Puzzlestück dieser Investition hat mich Hubert von Goiserns schönes Weit, weit weg angeregt:
Weit, weit weg
Jetzt san die Dog scho länger worn,
un d'Knospn zaign sich an di Baam,
und oalles feierts Lebn, wie noch nie.
Dess Ambiantn is wia gmocht
zum an Zuckerlsüaßes denkn,
als sei a Damm gebrochn, fluatet's mi.
Wärst Du au weit, weit weg,
ganz weit, weit weg von mir,
san mei Herz un Verstand
doch so erfüllt mit Dir,
als wärst Du hier – bei mir.
Wos Du in mir ausglöst host
un wos scho draus gwoagsn is,
is offensichtlich kommn, um zu bleimn.
Und i nehm's als Reichtum wohr,
woaß wos Oanzigs am Entstehn,
un manchmol drängt's mi heftig, wos zu schreibn.
Wärst Du au weit, weit weg,
ganz weit, weit weg von hier,
glaub i net, doss i Di
je aus am Sinn verlier,
des dät ma schiach – un wia.
Loass Dir Zeit, so vial Du brachst,
es gaht nuar drum, ganz Du zu sein,
doch manches gaukelt vor, es sei "ganz Du".
Un in dem bunten Treibn dorf
i wähln, wos Lieb jetzt duan würd,
send Dir von Zeit zu Zeit a Kostprobn zu.
I könnt wähln, innerlich
eher weg von Dir zu gehn,
die Reize anderer
als stärker anzusehn,
mir einredn, doss wir uns
wohl niemals wern verstehn.
Doch hiaß des a, mai Fühln,
mai ganzes Sein verdrehn,
des tät ma schiach.
I loss's, wia's is, un bleib –
i bleib bei Dir.
Gruß und langer Kuss
Andreas