Juni 2012

Verehrte Johanna,

ich hab ja schon länger ein Gedicht angedeutet, darüber was mir Deine Freiheit bedeutet. Nein, es geht nicht schon los, sondern ich will noch ein paar Sätze vorausschicken. Manches ist zu diesem Thema ja schon gesagt: "... will in Dir niemand anderes sehen als nur Johanna, authentisch und pur", "vom hohen Standpunkt aus betrachtet ist Deine Freiheit meine Freiheit", "Leb ganz nach Deiner Wahl", "das, was ich irgendwann für uns zwei will, das kann aus Freiheit nur entstehn", und so weiter. Als ich anfing, passende Worte dafür zu finden, was mir Freiheit im allgemeinen und Deine Freiheit im besonderen bedeutet, wurde mir schnell klar, dass ich das unmöglich in einem einzigen Gedicht unterbringen kann - und es auch gar nicht will, denn es wäre wohl der Anfang vom Ende unseres Abenteuers, wenn es irgendwann nichts Neues mehr dazu zu sagen gäbe, und was ich von endenden Abenteuern halte, weißt Du ja. Eine musikalische Vorlage gibt es zu diesen Gedicht nicht, auch wenn ich entfernt eine Melodie im Hinterkopf hatte, weil es das etwas einfacher macht, im Rhythmus zu bleiben. Etwas schwer fiel es mir, dass ich hin und wieder Kompromisse zwischen maximal präziser und sich reimender Sprache eingehen musste - gerade bei so einem Thema hätte ich gerne immer die präzisest mögliche Formulierung verwendet. Doch genug der Vorrede, hier ist ein weiterer Einblick in mein Fühlen und Denken, in wie sehr "ich für Dich Freiheit will", und damit ein weiteres Puzzlestück für Dich, wundervolle Johanna:

Du bringst hinein in diese Welt
ein Geschenk, das nicht mit Geld
und mit nichts sonst vergleichbar ist.
Niemand kennt den Plan dazu,
niemand gibt es so wie Du,
weil das Geschenk Du selber bist.

Der Teil von Dir, der ewig währt,
hat es zu seinem Ziel erklärt,
für eine beschränkte Frist
von einer Handvoll Erdenjahren
zu demonstrieren und erfahren,
wer Du, Johanna, wirklich bist.

Doch was sieht von Dir man denn,
wenn Du nicht frei bist oder wenn
das, was Dein Sein da demonstriert,
nicht Deiner eignen Wahl entspringt,
und wenn nicht das Lied erklingt,
das Deine Seele komponiert?

Ich schätze Deine Freundschaft sehr
(wohl wissend, dass Du sie bisher
noch nicht direkt bestätigt hast).
Doch was blieb, wenn Dein Motiv
von außen käm und wär nicht tief
in Deinem Herzen eingefasst?

Gehn wir aber nun einmal
davon aus, dass freie Wahl
hinter Deinem Handeln steht.
Dann ist noch lang nicht garantiert,
dass Deine Wahl wird akzeptiert
und man Dir keinen Strick draus dreht.

Doch frei sein heißt ganz so zu sein,
wie man wäre, wenn da rein
gar nichts zu befürchten bliebe -
weder Urteil noch Sanktion,
ja, nicht mal eine Reduktion
des Angenehmen und der Liebe.

So ein Umfeld stellt ganz klar
das Maximum an Freiheit dar,
weil die Wahl des Menschen dann
nicht geprägt ist davon, Leiden
oder Nachteil zu vermeiden,
und sich das Echte zeigen kann.

Was ich mit diesem "Echten" meine,
ist das Unverlangte, Reine -
wenn als Motiv nur ist vorhanden
pure Freud am Existieren,
am Schaffen und am Ausprobieren.
So ist auch dies Gedicht entstanden.

Hast nicht, Johanna, kürzlich Du
gewünscht im Tagblatt-Interview,
als Künstlerin den Weg zu gehen?
Doch was ist Kunst, wenn nicht das Ringen,
das Echte klar hervorzubringen,
so dass es viele können sehen?

Ich frag mich von Zeit zu Zeit:
Sind wir beide schon so weit,
um solche Freiheit uns zu geben?
Können, wenn das Handeln nicht
des andern Vorstellung entspricht,
wir nach diesem Anspruch leben?

Doch vielleicht ist es ja ein
Indiz dafür, nah dran zu sein,
kann man sich solchen Fragen stellen.
Und ich werd - als weitres Zeichen -
jegliche Bedingung streichen,
die meine Liebe will entstellen.

Wie Du merkst, kann es kaum sein,
dass über Freiheit man allein
und nicht auch über Liebe spricht.
Liebe ist der Freiheit Kind
und die beiden Worte sind
fast synonym aus meiner Sicht.

Liebe ohne Freiheit wär
paradox und ungefähr
wie Stoffe ohne Fäden weben,
wie der Bau von Schlössern, die
ganz aus Luft sind, oder wie
Konzerte ohne Töne geben.

Kurz gesagt, es wär Betrug,
davon gibt es schon genug.
Drum lass uns Freundschaft so gestalten,
dass jeder, der sie sieht, erkennt,
wie sie von einem Fundament
aus reiner Freiheit wird gehalten.

Johanna, bitte halte nicht
für vollständig dies Gedicht,
es ist nur ein Puzzlestück.
Weil mich Freiheit fasziniert,
komm ich darauf garantiert
immer wieder mal zurück.

Gib mir ein Leben dafür Zeit,
Dir zu zeigen, inwieweit
mir Deine Freiheit wichtig ist.
Doch für heute fühle ich
ganz nah an meiner Seite Dich
und genieß, wie schön Du bist.

Auch wenn ich mich dem ganz geb hin,
ein, zwei Strophen sind noch drin.
Nachdem Dein Abi ist vorbei,
brauch ich ja nicht mehr dran zu denken,
Dich davon nicht abzulenken,
das macht auch mich noch weiter frei.

Wie ich oben hab geschrieben,
hat "Freiheit" viel zu tun mit "lieben",
und da Du das inzwischen weißt,
hast Du bereits alles, das
Du brauchst zum Übersetzen, was
"Ich will für Dich Freiheit" heißt.

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