September 2015

Hallo Johanna,

"außer sich vor Ärger" soll eine Sängerin laut Pressebericht kürzlich in Bad Boll die Arie der Sandrina gesungen haben. Dabei ist die Situation noch schlimmer als vermutet - das Übel beschränkt sich nicht mal auf nur eine Hälfte der Menschheit:

Ihr Mädchen seid sehr übel dran,
doch seid ihr nicht alleine,
denn dieses Übel, es betrifft
nicht weniger den Mann.

Wird man heut nicht getrieben,
den tiefsten Grund, zu lieben,
nicht in sich selbst zu finden,
sich nur bedingt zu binden
und sogenanntes "Schenken"
als Mittel anzusehn,
jemand zu zähmen,
haben und lähmen.
Und wer nennt solches Denken
die Liebe missverstehn?!

Und will man gar im Leben
nach eigner Wahl sich geben,
sind häufig beste Freunde
ganz schnell dabei, zu gehn.

Ach, wie übel sind wir dran!
Wer nicht vom Geist der Freiheit
sich völlig lässt durchdringen,
tut trotz vermeintlich
reinster Liebe
sich selbst und andern tausend Tode an!

Dass solches Übel Grandi Emozioni hervorruft, ist nachvollziehbar, doch verhält es sich damit wie mit hohen Zahlen auf dem Bankkonto - das Vorzeichen spielt eine gewichtige Rolle. Um den Emozioni der erwähnten Sängerin das richtige Vorzeichen zu geben, drängte noch eine weitere Version dieses Liedes an die Oberfläche:

Dass irgendwer sei übel dran,
will ich nicht nur bejahen,
doch ist mir völlig klar, es kommt
sehr auf den Standpunkt an.

Weiß man vom Schöpferleben
in sich hineingegeben,
ist was wir "Übel" nennen
als Trugschluss zu erkennen.
Was wär, so frag ich einfach mal,
wenn jegliches Geschehn
ist, was wir schufen,
von uns gerufen,
Kulisse, vor der unsre Wahl
ist klarer noch zu sehn?

Allein wenn wir stattdessen
das Schöpfersein vergessen,
entsteht manch Grund zum Klagen,
ist viel nicht zu verstehn.

Ach, wie übel scheint es dann!
Doch Du, mein gutes Mädchen,
sollst reichlich Freude haben,
drum tu zuweilen
ich Dir Gedichte
von einem etwas andren Standpunkt an.

In Liebe

Andreas

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