November 2022
die Gefühle, die Du in mir auslöst, sind wie Saiten, die angeschlagen wurden, und die auch nach Jahren noch deutlich wahrnehmbar schwingen. Das wundert Dich vielleicht – mich wundert es auch. Mein Akustikverständnis sagt mir zwar, dass die Nachschwingdauer mehr mit dem Instrument (genauer: mit dessen geringer Dämpfung) als mit dem Anschlag zusammenhängt, und ich will das auch auf meine Gefühle übertragen gar nicht bestreiten, aber meine Erfahrung sagt mir auch, dass – dezent ausgedrückt – nicht jeder dem Instrument bei so wenigen Begegnungen so nachhaltiges Klingen entlockt hat. Woran das liegt? Ich bin noch auf der Suche nach der umfassenden Antwort, aber genießen ist erfreulicherweise auch schon ohne sie möglich. Zu sagen, diese Gefühle ließen mich oft an Dich denken, wäre nicht falsch, aber es wäre auch nicht die präzisest mögliche Formulierung. Was es präziser träfe, wäre: „Du bist aus meinem Denken nicht mehr wegzudenken“. „Oft“ klingt etwas nach „nicht immer“, aber die präzisere Fassung klingt nach „Dein Sein ist eine in meinem Denken allgegenwärtige Einflussgröße, und davon unbeeinflusste Gedanken gibt es nicht“. Und so soll es klingen, denn so empfinde ich es.
Im Spiel dieser starken Gefühle und Gedanken an Dich ist poetisch zu schreiben eine anregende, belebende, funktionierende Art, die damit einhergehende Spannung nach Lust und Laune weiter auf- oder auch mal kreativ abzubauen. Der neueste entstandene Text gehört zu einem Lied, bei dem manche Leute „not amused“ sein könnten, wenn man es anders als vorgesehen verwendet. Die in diesem Video türkis gekleidete Frau verfügte aber hier auf Erden über eine gesunde Selbstironie, und hat bestimmt ihren Spaß daran, dass dieses Lied auch mal so abgewandelt wird. So hat sie es denn, nachdem ich gerade die zweite Strophe fertiggestellt hatte, freigegeben für etwas Neues, etwas weniger auf sie Bezogenes. Ich finde es eine sehr elegante Art des Herunterfahrens des physischen Körpers, so ein intuitiv wahrgenommenes Freigabeersuchen spontan als Anlass dafür zu nehmen.
Der Text ist nicht ganz so Johanna-spezifisch ausgefallen, wie es mir zunächst vorschwebte. Je mehr ich aber beim Schreiben über den Begriff „queen“ sinnierte, desto klarer wurde mir, dass ich ihn nicht im sprachüblichen, die Vorrangstellung einer Einzelperson hervorhebenden Sinne verwenden, sondern ihn ausdehnen will. Das Wort „queen“ hat sich ja entwickelt aus einem indogermanischen Wortstamm, der einfach „Frau“ bedeutete, heute noch anklingend in norwegisch „Kvinne“ oder auch in „Gynäkologie“. Auf Menschen bezogene Superlative – und „queen“ hat einen superlativen Beigeschmack – verwende ich nicht so gerne. Wenn Du hören willst, was der Spiegel der Königin sagte, als Schneewittchen noch klein war, musst Du Dir andere Spiegel suchen; von mir wirst Du sowas eher selten hören. Kannst ja versuchen, mich dazu zu verführen ..., hmmm, wobei, jetzt kommen mir Zweifel, wie ein Kräftemessen der Gefühle, die Du in mir auslöst, gegen Gedanken und Prinzipien ausgehen würde. Ein, zwei sprachliche Tricks, die mich selbst angesichts eines bestimmten Johanna-Blicks aus direkter Nähe eine Zeit lang widerstehen lassen könnten, fallen mir zwar ein, aber ... Jedenfalls habe ich mir immer, wenn ich das von Franz-Joseph in „Elisabeth“ gesungene Lied „Ich will dir nur sagen“ und darin besonders den Schlusssatz „Ich werde mir untreu für dich“ gehört oder gelesen habe, dies als bemitleidenswerte Schwäche empfunden und mir vorgenommen, es so weit nie kommen zu lassen. Bevor ich hier also weiter Angriffspunkte offenbare, sage ich es lieber auf eine Weise, die ich für verführungsresistent halte: Wenn Du einen Spiegel suchst, der nie sagen wird, dass jemand schöner sei als Du, dann weiß ich einen.
Evening prayer III
(Melody: God save the Queen)
God, it is good to know
for whom my love may glow
yours glows much more.
So let's team up and find
some pearls for heart and mind,
lyrics as of the kind
we have in store.
Let us recap the facts
on how love thinks and acts,
care for sane roots,
dwell on how to express
all day love's boundlessness,
yield as sustained success
delicious fruits.
In your proximity
I noticed frequently
how meanings turn.
Why reduce words like ‘queen’
to VIP and reign,
while what they're meant to mean
could make hearts burn?
Close to you I can't see
bias or hierarchy,
just a huge chance.
Save us from knowing you
as vain religions do,
we need a higher view.
Thanks in advance.
What could heal faster than
oneness of God and man,
nothing between!
Isn't that what sets free?
Guide us, God, so that we
become what we can be,
me and each queen.
Gruß und KussKüsse aus tiefstem Herzen
Andreas