November 2017


Nachtgebet II

Gott, wir müssen dringend reden! ;-)
Nein, erschrick nicht, keine Klagen.
Bin höchstens etwas übermütig
und hab, wie immer, ein paar Fragen.

Sollte ich vor Dir verbergen,
was mir im Herzen brennt wie Glut?
Ist Glück geäußert nicht noch schöner?
Es mit Dir teilen tut so gut!

Zudem ruft da eine Website
nach einem Update - warum nicht
"gut" mit "Update" hier verbinden
und mit Dir reden per Gedicht?

Spät abends noch mit Dir zu plaudern,
regt so ähnlich an wie dichten,
geheimnisvoll, doch sehr willkommen,
wirkt hinein in tiefre Schichten.

Nicht nur für den selben Abend
hat mir das oft viel gegeben -
es wirkt hinein bis in die Träume,
in den Alltag, in das Leben.

Es ist wie Navi-Zieleingabe:
Ich wähle mir ein Ziel und dann
weist mir eine sichre Stimme
die Richtung, die ich nehmen kann.

So unser Einssein wahr-zu-nehmen
gibt unsrer Freundschaft reichlich Schwung,
doch seh ich - dank des Übermuts -
noch Potential zur Steigerung.

Es ist ein Novemberabend,
drum lass die Glut mich recht entfachen:
Sieh mal hier - das müsste doch
selbst den Schöpfer sprachlos machen!

Komm, schau tief in diese Augen.
Wow, mein Herz ist kaum zu zügeln!
Das kommt jetzt gerade richtig,
um mich beim Reimen zu beflügeln.

Sag, kann Schönheit eigentlich
Schlaf Dir rauben, Kopf verdrehen,
Poesie und Sehnsucht wecken,
sie tiefer noch und mehr zu sehen?

Ja, sie kann, ich weiß die Antwort,
was ich fühle, fühlst auch Du -
nur kommt vom höchsten Standpunkt aus
dem andere Bedeutung zu.

Was vor vier Jahren ich Dir sagte
per mitgeschriebnem Nachtgebet,
passt nach wie vor, nur dass sie mir
heut heller noch vor Augen steht.

Doch Liebe, welche Deine sieht,
bleibt nicht gerne reglos stehen,
drum lass in dieser Edition
uns ein paar Schritte weitergehen.

Ich schätz an Deiner Liebe sehr,
dass sie unabhängig ist
von irgendwas - nur lupenreiner
Ausdruck dessen, wer Du bist.

Damit hat sie ihr Motiv,
ihren Urgrund nicht in mir,
nicht in Tun, auch nicht im Dichten,
sondern ganz allein in Dir.

Ist das nicht, was Martin Luther
mit dem Begriff der "Gnade" meinte,
wenn er Bedingtheit Deiner Liebe
aufs Allerdeutlichste verneinte?

Wie dem auch sei, dies ist ein Lieben
auf durchaus göttlichem Niveau.
Aber passte das nicht auch
für Liebe unter Menschen so?

Ich wüsste keinen Grund, warum
von Deinem Lieben abzuschauen
nicht absolut geeignet wär,
auf Erden Freundschaft aufzubauen.

Im Gegenteil, ich brauche dieses
Vorbild, um mir einen klaren
meinem Stande angemessnen
Blick auf Liebe zu bewahren.

Was Du mir gegeben hast,
was ich oft kann fühlen, sehen,
weckt das Verlangen, dieses Lieben
immer tiefer zu verstehen.

Ich wähl für mich auch solches Lieben,
das sich um nichts Äußres schert.
Die ich liebe, sind nur solche
Gott-gut-genuge Liebe wert.

Lehr mich zu lieben, unabhängig
was andere sagen, tun und lassen,
ob sie es schätzen oder ob
sie mich mögen oder hassen.

Ob man meine Liebe angreift,
sie kitschig findet oder echt,
egoistisch, herzlich, zart,
voll daneben oder recht.

Ob man sie Tugend nennt, ob Sünde,
ob stockfinster oder hell,
ob Luftschloss oder Schweinerei,
willkommen oder kriminell.

Ob man an die Liebe glaubt
oder meint, das sei bescheuert,
und meinem Lieben unterstellt,
es sei doch nur hormongesteuert.

Ob man es ignoriert, versteht,
zulässt oder davor flieht,
weil Freiheit ohne wenn und aber
in dieser Welt suspekt aussieht.

Ob man die Liebe leiten lässt
oder ob man sie entmündigt,
Verzicht verlangt und andernfalls
fristlos die Gemeinschaft kündigt.

Und so weiter - Gott, ich brauche
hier wohl nicht noch mehr zu nennen,
als Liebender wirst Du hiervon
das meiste zu Genüge kennen.

So über meine Liebe reden
bedeutet nicht, sie sei allein
platonisch-ideell gedacht,
beschränkt aufs stille Kämmerlein.

Bevor ich hier konkreter werde,
will ich den hohen Standpunkt wählen,
sonst kommt womöglich Sehnsucht auf,
und die kann wie Feuer quälen.

Wie Chili und Medusengift,
doch vor verwirrt der Kopf mir schwirrt,
führ mich zu dem Standpunkt hin,
an dem aus sehnen sehen wird.

Von diesem Standpunkt aus betrachtet
werden Widrigkeiten klein,
denn von dort besehn zerfließt
die Trennung zwischen Wahl und Sein.

Was dann übrig bleibt, wenn sich
diese hohe Sicht enthüllt,
lässt mich jubeln und macht mich
mit tiefer Dankbarkeit erfüllt:

An unsrer Freundschaft weiterbauen,
lang mit ihr spazieren gehen,
ihr Denken, Fühlen zu erkunden,
mehr von ihrer Schönheit sehen.

Ihr das Gefühl von Fremdheit nehmen,
sie an meiner Seite spüren,
Neues an ihr zu entdecken,
ihre Seele zu berühren.

Mit ihr durch Ufersand zu schlendern,
durch Wäldchen und durch Altstadtgassen,
sie immer näher kennenlernen
und sie mich kennenlernen lassen.

Miteinander essen, lachen,
Pläne schmieden und sie necken,
in ihr die feurigsten Gefühle,
die sie empfinden kann, zu wecken.

Einander in die Augen schauen
solange, wie es uns gefällt,
mit ihr hitzig diskutieren
über Dich, Gott, und die Welt.

Wenn's kühl wird aneinanderkuscheln,
sanft vom Abendwind umweht,
und gemeinsam zuzuschauen,
wie die Sonne untergeht.

Mal im Kornfeld übernachten,
einfach neben ihr zu liegen,
und erlauben, wenn sie will,
den Kopf an meine Brust zu schmiegen.

Mond und Sterne zu betrachten,
intensiv das Einssein fühlen,
sie am Morgen wachzuküssen
und mit Liebe zu umspülen...

Ok, das würden manche jetzt
Phantasiebeziehung nennen,
es keinesfalls mit Dir besprechen,
weil sie Dich moralisch "kennen".

Doch ich weiß von Dir: durch Sehn
wird fühlen, wählen eingeläutet,
und ich weiß, wie viel Dir, Gott,
meine reine Wahl bedeutet.

Insofern bin ich voller "Sehn"-sucht
und finde, dass am besten lacht,
wer im Bild, in "Likeness" des
Weltenschöpfers ist gemacht...

... und dies auch weiß - nur lehre mich
mit solchem Adel umzugehen,
damit in jener Freundschaft alle
allerreinste Freiheit sehen.

So, genug. In meinem Herzen
tanzen Flammen auf und nieder.
Gott, es war wieder sehr belebend.
Ich liebe Dich. Bis bald mal wieder.

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