Nachtgebet
Gott, bevor ich diesen Tag
einfach so dahin lass fließen,
will ich Dich und unsere Freundschaft
noch ein bisschen mehr genießen.
Dass es dabei bei einem "bisschen"
bleibt, ist - wie Du weißt - kein Muss,
bisher wurde diese Zeit
meist schnell zu purem Hochgenuss.
Womit wir schon beim Thema wären:
Ich genieß mein Sein wie nie,
es war nie so faszinierend,
und ein Grund dafür ist sie.
Gott, sag selbst, wär es Dir möglich,
diesen Engel nicht zu lieben?
Doch lass mich, was sie mir bedeutet,
heut ausnahmsweis nach hinten schieben.
Mit einem Brief und dem Gedicht
will - wenn Du einverstanden bist -
ich ihr etwas Einblick geben,
wie unsere Beziehung ist.
Wer weiß, vielleicht wird sie dran prüfen,
ob wir als "christlich" noch durchgehen,
Du und ich, und auch was wir
unter "Partnerschaft" verstehen.
Also, lass uns beide hier
auf adäquate Worte sinnen,
mit denen wir des Engels Liebe
und Freundschaft mehr hinzu gewinnen.
Gott, auch wenn Du es schon weißt,
ich bin unbeschreiblich froh,
Dich als freundlich heut zu kennen,
denn das war nicht immer so.
Heute weiß ich, meine Freiheit
ist Dir wirklich viel zu wichtig,
als dass Du meine Wahl, mein Handeln,
einteiltest in falsch und richtig.
Wenn schon ich Johanna nicht
gehorsam und verbogen will,
wie viel mehr willst Du als Gott
für uns Menschen keinen Drill.
Deshalb lässt Du das Gebieten,
und wer trotzdem davon spricht,
vielleicht sogar in Deinem Namen,
zeigt damit: er kennt Dich nicht.
Wenn auch die halbe Welt Dir nachsagt,
dass Urteilen Dein Hauptjob ist,
lass trotzdem mich und auch den Engel
Dich sehen, wie Du wirklich bist.
Ich ahne, nein, ich weiß, dass Du
Freiheit über alles achtest,
und wie solltest Du bestrafen,
wen Du als eins mit Dir betrachtest?
Deine Gunst ist nicht erwerbbar,
denn aus ihr kann nicht fallen man,
ja, selbst Vergebung ist nur nötig
für den, der das nicht fassen kann.
Ich bräucht auch keinen Gott, der meine
Wahl beständig kritisierte,
so dass ich freier wäre, wenn
dieser Gott nicht existierte.
Dich als einen Gott zu kennen,
der nichts braucht, verändert viel,
es befreit und macht das Leben
zu einem Tanz, zu einem Spiel.
Dies Spiel ermöglicht jeder Seele,
auf der Bühne namens "Erde"
des Lebens Wunder darzustellen,
damit es noch brillanter werde.
Doch zuweilen höre ich
von ganz perversen Schweinereien:
Dass viele Spieler nach dem Stück
Dir nur noch ewge Qual wert seien!
Auch einen Teufel habest Du
erschaffen, damit keiner bliebe
unverführt, doch all das nur
aus "Gerechtigkeit" und "Liebe".
So steht's in Büchern über Dich
und in Traktaten ohne Zahl.
Wenn Du reinschaust, wirst Du merken:
So gut kennst Du Dich selbst nicht mal.
Doch genug der Ironie,
ich denke, Du bist informiert,
darüber, was hier auf Erden
alles über Dich kursiert.
Manchmal frag ich mich ja schon,
ob Dir denn niemals platzt der Kragen,
wie Freiheit Du selbst dann gewährst,
wenn die Leute sowas sagen?!
Doch wir sind uns einig, dass
für jemand, der vollkommen liebt,
es weder Urteil noch Sanktion
noch ein Zuviel an Freiheit gibt.
Auch ich hab jenen früher geglaubt,
denn sie hatten ja "Beweise",
und wer zweifelte, der stand
mit einem Fuß schon in der Sch...Hölle.
Doch tief in mir war etwas, das
mir lies die Lehre widerstreben,
und Mut machte, für so was nicht
das Wort "Liebe" herzugeben.
Heute wüsste ich nicht, wie
ich "Liebe" könnte definieren
höher noch als Du es tust,
und lass mich dadurch inspirieren.
Das Schöne ist ja, dass Dich so
kennen abfärbt in mein Denken,
und ich dadurch befähigt werde,
auch reifre Liebe zu verschenken.
Es freut mich, dass Deinen Reichtum,
ich als den meinen nehmen kann,
zum Beispiel wenn beim Dichten es
mal wieder gar nicht geht voran.
Einmal wagte ich es gar,
Freundschaft anzubieten, die
Überfluss an LEBEN einschließt.
Weißt Du noch? Das war für sie.
Damals hat mein Herz gepocht
fast als wäre ich allein.
Doch warum sollt ich eigentlich
mit weniger zufrieden sein?
Du bist in mir, eins mit mir,
kann es größren Reichtum geben?
Und ich darf davon verteilen,
warum nicht "Überfluss an LEBEN"?
Zwar bist Du in mir nicht mehr,
nicht reicher, als in jedermann,
doch mich hast Du beschenkt damit,
dass ich das auch glauben kann.
Was wohl nicht selbstverständlich ist.
Ich frag mich deshalb manchmal, wie
wird Johanna das verstehen?
Wie wirkt das alles denn auf sie?
Hält sie mich für durchgeknallt?
Oder für besonders fromm?
Denkt sie, ich red nur so, damit
ich an ihre Freundschaft komm?
Wie viel hast Du ihr gezeigt?
- Doch stimmt so die Frage nicht -
Wie viel hat sie zugelassen,
und: Hat sie es verinnerlicht?
Andrerseits brauch ich nicht wirklich
Antworten auf diese Fragen.
Zum rechten Zeitpunkt wird sie mir
schon selber etwas dazu sagen.
Ich will keines Deiner Werke
abwerten, doch stellt sie klar
- jedenfalls aus meiner Sicht -
ein Highlight Deiner Schöpfung dar.
Ich weiß, aus Deiner Perspektive,
"vom höchsten Standpunkt aus betrachtet",
sind Sterne Sonnen und es irrt,
wer auch nur einen Stern verachtet.
Lehr mich, das mehr so zu sehen,
und es auch zu praktizieren,
und jene, die das "affig" nennen,
souverän zu ignorieren.
Manchmal hab ich Dich beneidet,
Dir ist nicht auferlegt die Last,
dass Deine Liebe Du zu zügeln
und exklusiv zu lieben hast.
Halt, noch während ich das schreibe
wird mir klar, hier täusch ich mich.
Fordern nicht die Höllenlehrer
den Himmel exklusiv für sich?
Lass selbst sie mich sehn als Sonnen,
die sich dem Theater weihen,
und dem Schauspiel die Dynamik
und würzenden Kontrast verleihen.
Doch wir warn bei diesem "Highlight
Deiner Schöpfung" stehn geblieben,
dem Engel, den es Dir wie mir
unmöglich wäre, nicht zu lieben.
Sie ist unbeschreiblich schön,
und wollt umfassend ich berichten,
was sie mir bedeutet, müsst ich
hundert Stunden täglich dichten.
Ein Blick in ihre Augen lässt
mich schwindeln und vor allen Dingen
regt sie in meinem tiefsten Innern
verborgne Saiten an zum Schwingen.
Sie "macht" das nicht, es ist schon eher
Resonanz, Gemeinsamkeit,
Energie, die nur hervortritt,
wird sie durch Ähnliches befreit.
Ich liebe diese Augenblicke,
waren sie bisher auch rar,
stellen sie doch einen reichen
Schatz in meinem Herzen dar.
In ihr seh ich Deine Liebe
immer wenn ich an sie denk.
Gott, ich danke herzlich Dir
für dieses wertvolle Geschenk.
Ich bitte nicht um mehr, denn ich
will ihre Freiheit nicht beschneiden.
Wie sie meine Freundschaft annimmt
soll ganz alleine sie entscheiden.
Doch will ich ihr die Freiheit zeigen,
die Du uns hast zugedacht,
die schon damals war Dein Plan
als Du die Erde hast gemacht.
Auch lass ich gern mich inspirieren,
dass, was ich schreib, zu Herzen dringe,
und dass in ihrem Bauch sie fühlt
flattern ein paar Schmetterlinge.
Jetzt wird es Zeit, ins Bett zu gehen.
Gott, es war wieder Hochgenuss.
Ich liebe Dich und grüße Dich
heute mal als "Mystyqus".