24. Februar 2024
nach 30 Jahren im Theater vergisst man leicht, dass es sich um Theater handelt. Du wirst nun vielleicht denken: "Als Christin weiß ich, dass meine Zukunft ewiges Leben ist." Ja, in diese Richtung geht es, nur – bist Du sicher, dass das ewige Leben nur in der Zukunft stattfindet? Fühl doch mal in die Vorstellung rein, Deine Seele habe sich aus ewigem Leben heraus für einen Theaterbesuch entschieden – mit allem was dazugehört, beispielsweise mit an der Theatergarderobe in Verwahrung gegebenen Erinnerungen, so dass es aussieht, als sei ewiges Leben nur Zukunftsmusik. Spürst Du's? Hinter dem Theater steckt eine kaum fassbar geniale Konstruktion: Es ist ein Bereich des Reiches Gottes, in welchem neben Reich-Gottes-kompatiblen Erfahrungen auch solche machbar sind, denen im Reich Gottes keinerlei Realität zukommt: Angst, Getrenntheit, Schmerz, Schaden, Mangel, Unfreiheit, Leid, Krankheit und sogar Tod – ein breites Spektrum an nicht-liebe-kompatiblen Erfahrungen also mitten in einem Reich, dessen Natur reine Liebe ist! Dass solche Erfahrungen machbar sind (und sich sogar seeeehr real anfühlen können), liegt daran, dass dieses Reich Freiheit in Reinstform ist, und dies schließt die Freiheit jeder Seele ein, sich um bestimmter Ziele willen in die Illusionen ihrer Wahl hineinzubegeben (inklusive in diejenige, das Theater sei der bedeutungsvollste Teil der Realität). Willst Du jetzt noch zum Zukunftsmusik-Lebensgefühl zurückschalten?
Bei der Suche nach einem musikalischen Werk, das sich für eine dezente Erinnerung daran eignet und in welchem ausreichend Festlichkeit für den heutigen Anlass mitschwingt, bin ich diesmal – durch eine exzellente Interpretation des Janáček Chamber Orchestra und Patricia Janečková – in Händels "Xerxes" fündig geworden.
Ich wünsche Dir – auch im Theater – viele Momente, in denen Du Dich glückdurchströmt fühlst.
Andreas