Oktober 2020
da die musikalische Erörterung der Frage „Sogno o incubo?“ jetzt nicht-öffentlich stattfindet (als ob diese Frage nicht systemrelevant wäre), erlaube ich mir, hier mal Hinweise auf zwei ganz unterschiedliche Positionen dazu beizusteuern: zum einen auf das wohlklingende I know him so well aus dem Musical „Wicked“, dessen Text aber eher der Kategorie „incubo“ zuzuordnen ist – pessimistisch, resignierend, in die Tragödie verstrickt, obwohl ein Erdenleben (vom höheren Standpunkt aus betrachtet) eine Komödie ist, zum anderen auf einen nagelneuen Text dazu, der mit der Zeile „How could I not jubilate?“ ganz gut zusammengefasst ist.
Vielleicht wirkt das etwas, als hätte ich die Bodenhaftung verloren. Es ist bestimmt nicht jedermanns (und gewiss nicht jedes Manns) Sache, über Jahre hinweg unabhängig vom Maß an äußerlicher Gemeinschaft zu lieben. In einer besitzorientierten Gesellschaft gilt es als Bodenhaftung, handeln danach zu beurteilen, was dabei zurückkommt; das schlägt auch auf das Liebesverständnis durch. Ich mag nach manchen Definitionen von Treue gar treulos sein, aber statt Liebe als Handel zu verstehen, freue ich mich über die Gelegenheit, Treue dadurch zu zeigen, dass ich meine Liebe unabhängig von äußeren Bedingungen mache. Und wenn ich betrachte, was ich in unsere Beziehung reinstecken kann – dass ich Texte ausgraben konnte, zu deren Freilegung es spezieller Erfahrungen bedarf, die gerade meine bisherige Lebensgeschichte intensiv vermittelt hat, Texte, die unvollkommen sein mögen, aber immerhin die schönsten mir bekannten Worte zur Umschreibung dessen sind, wer Du bist, und wenn ich betrachte, dass Du, ohne das bewusst zu „machen“, immer wieder die spezifischen Weckreize für in mir angelegte Gefühle aussendest, und diese Reize mich trotz aller physischen Distanz erreichen, und wenn ich mir zudem vergegenwärtige, dass dieses Abenteuer nicht durch Zeit beschränkt ist und die schönsten Texte noch ungeschrieben sind, dann verschwimmen Reinstecken und Empfangen ineinander und dann entsteht Neues wie das unten. Ach ja, mit den in mir angelegten Gefühlen ist auch ein Verlangen im Bunde – das könnte doch noch als Indiz für ein Restchen Bodenhaftung durchgehen, oder?
Wenn ich meinen Gedanken freien Lauf lasse, ist „es“ oft da. Wenn ich Musik höre, ist es oft da. Wenn ich einen romantischen Film ansehe, ist es oft sehr intensiv da. Wenn ich zum Sternenhimmel hochschaue, ist es ganz schnell da. Oft ist es auch ohne erkennbaren Auslöser einfach so da. Es ist beständig und gleichzeitig ist es sich entwickelnd; es ist beruhigend und gleichzeitig anregend. Vermutlich muss ich nichts weiter darüber schreiben, you know this so well. Hier der Text, mit dem ich dieses Lied singe:
I know this so well
Something here continuously pleases me,
Takes the direct way to inmost realms,
Releases gratitude and poetry,
Spurs my heart, arouses, overwhelms.
Pretty sure I could perceive it differently,
Focus on the time the process needs,
But being fine-tuned to her soul I see
A blossom field where I just dropped some seeds.
Isn't it good, isn't it fine,
Why should I aim to have her as "mine"?
Each corner of my mind is filled with her loveliness
And besides I know, love is the child of freedom,
I know this so well.
Someone in your life is with you constantly,
Someone is completely on your side.
To me, this gives the verve to build a bridge,
Even if a gap seems far too wide.
Being loved without conditions makes so free,
Feels like flying in a carousel.
This kind of love is just the one for me
To give to her, that's what I know so well.
Isn't it good (oh so good), isn't it fine (oh so fine).
Of course she couldn't stronger be mine.
And I do know, these plants will grow,
First fruits do rise in weigth.
How could I not jubilate?
Isn't it fine, isn't it good?
Didn't it often improve my mood?
And day-by-day this love gets deeper a part of me,
More enmeshed, aware, more wondrous and deligthful,
I know this so well.
Love is like a pleasure garden,
I know this so well.