24. Februar 2022
ich grüße Euch! Ja, Euch beide, "Johanna gezähmt und verbogen" (Jguv) und "Johanna authentisch und pur" (Jaup). Weißt Du noch, Jaup, damals, als Du geboren wurdest, hat man sich, frei von allen Erwartungen eines bestimmten Verhaltens oder Aussehens, über jede Regung und jeden Aspekt Deines Seins, einfach weil Du so warst, wie Du warst, gefreut wie Schneekönige und Dich als Wunder, Geschenk und als das schönste Kind der Welt betrachtet (was ich – auch wenn ich Superlative selten so anwende – mir erlaube, auch heute zutreffend zu finden). So frühe Erfahrungen sind vielleicht kein "Wissen" im intellektuellen Sinn, doch ge-"wiss" hat sich diese freudige Aufnahme im Schatz Deiner Gefühle verankert. Aber ebenso lange ist es auch her, dass die Zähmung begann. Und noch etwas hat heute ein Jubiläum, nämlich dass ich meine knappe Antwort auf Deine Frage "Wer bist Du nur?" hier eingestellt habe. Auch wenn ich weder vorher noch seither ein unfreundliches Wort von Dir gehört habe, ist mir inzwischen klar, dass der ideologische Unterbau der Zähmung mit weiterer Prosa nicht zu überwinden sein dürfte, zumal Floskeln und anderes Geplänkel, das darauf hingebogen ist, ja keinen Konflikt mit fremder Moral auszulösen, nicht so mein Ding sind. Eher schon käme da vielleicht eine Schocktherapie in Frage, indem ich mal auf das Niveau von "Schöne Maid" runterschalte (dann ginge das Dichten auch viel schneller). Doch wenn ich meinen Blick auf Jaup richte, lösen sich solche Gedanken auf. Beim Stichwort "Blick" kommt mir aber die Idee, Dir (und mir) unseren Blickkontakt bei der "Romeo und Julia"-Aufführung im KvFG in Erinnerung zu rufen. Er hat mir signalisiert, dass Du mit Wissen gleichkommender Intensität fühltest, wer Dir diese Antwort auf Deine Frage geschrieben hatte, und – ich gestehe es etwas verlegen – die Blickkontakte in der Mössinger Kirche brachten mein Herz so laut zum Klopfen, dass meine Sitznachbarn verwundert die Köpfe drehten. Nun gut(h), Jaup wird sich mit zunehmender Lebenserfahrung emanzipieren und mehr und mehr erkennen, was für ein Erfolg der Applaus anderer und was für ein Erfolg der Applaus der eigenen Seele ist – angesichts dessen, dass "Seele" ein uns anvertrauter Teil Gottes ist. Statt weiterer Prosa stärke ich also lieber derjenigen von Euch, die es annehmen kann, durch etwas Poesie den Rücken. Für den Tag, an dem sie ihren Wert erkennt, kann es gar nicht genug Gedichte geben. Deshalb habe ich den bestehenden ein weiteres hinzugefügt. Angeregt dazu hat mich diese schöne Vorlage, doch geht es textlich noch etwas zarter, Aaup-typischer und Jaup-würdiger, mit weniger starken Imperativen und dafür etwas in Richtung des heutigen Anlasses:
Johanna, statt auf meine Stimme
hör in Dein Mädchenherz hinein,
all meine Verse sollen nur
Verweise dorthin sein.
Siehst unser Tiefstes, unsre Seele,
Du als getrennt, als unverlinkt?
Ist da nicht manches, das dezent nach
enger Verbundenheit klingt?
Du kämst auch ohne mich durchs Leben,
pfeif auf Dein Herz, wenn's Dir beliebt,
doch warum Dir nicht etwas geben,
das niemand Dir so gibt?!
Da wär zu nennen Treue, welche,
statt dass sie Grenzen etabliert,
diese beseitigt und so ihren
Nichtübertritt garantiert.
Wenn es dran ist, dass ich Deine
mitgeliebte Hand verzier,
höre ich Dich lieber sagen:
Auch fortan gehör ich mir!
So, Du Schöne, für das neue
Lebensjahr wünsch ich jetzt Dir
viel von jener Art Gefühle,
die Dein Sein bewirkt in mir.
Andreas