Juni 2013

Verehrte Prinzessin,

wir sind uns sicher einig: Die schönsten Texte sind noch ungeschrieben, die schönsten Worte noch ungesagt, die schönsten Lieder noch ungesungen. Wie perspektivlos wäre es auch, eine Sängerinnen-Karriere einzuschlagen, wenn die schönsten Lieder schon gesungen wären? Sie werden in der Luft liegen, tanzen wie Schneeflocken und darauf warten, dass sich jemand auf Resonanz mit ihnen einlässt und ihre Schönheit für andere zugänglich macht, denn nur dann können sie ihr Potential voll entfalten. So "jemand" bist Du, und auch ich bin dankbar und glücklich, hin und wieder etwas für Dich auffangen und in Worte fassen zu dürfen, und hoffe, dass das Dein Gefühl von Fremdheit immer mehr reduziert.

Wie Elisabeth (und vermutlich die meisten Menschen) mag auch ich es nicht, gehorsam, gezähmt und gezogen zu sein. Für mich ergibt sich daraus in Verbindung mit "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst", auch andere nicht gehorsam, gezähmt und gezogen zu wollen, oder wie ich es gerne ausdrücke, keine Moral für andere zu machen. Für viele (auch für solche, die angeblich eine enge und bedeutungsvolle Beziehung zu dem haben, der das mit dem "den Nächsten lieben" gesagt und vorgelebt hat) ergibt sich das anscheinend nicht. Vielleicht verstehe ich, als jemand, der Gott als nicht Urteilenden kennt und Jesus daher nicht als Erlöser von sogenannter Schuld braucht, seine Lehren ja zu lebensnah. Andrerseits erinnere ich mich noch gut an Zeiten, da auch ich Gott als den "kannte", der seine Gemeinschaft an Bedingungen knüpft, und das folglich ansah als was-Liebe-tut.

Nun bist Du Auslöser zu überwältigend schöner Gefühle und Gedanken in mir, als dass ich das Schreiben darüber sein ließe, muss aber irgendwie damit umgehen, dass jemand, den ich liebe, die Gemeinschaft mit mir an Gehorsam und Gezähmtheit knüpft. Es interessiert mich, wie Du in so einer Situation die Frage "Was würde Liebe jetzt tun?" beantworten würdest. Obwohl ich Dich als freiheitsliebende Frau sehe, räume ich ein, dass ich Dich noch zu wenig kenne, um zu wissen, in welchem Maß Du einig bist, dass das einzige dem wer-wir-sind angemessene Beziehungsfundament 100%-ige Freiheit ist.

Auf was ich mich beim Verhandeln eingelassen habe, ist die Links zu den bisherigen Texten von jetzt bis nächsten Februar von der Einstiegsseite zu entfernen und auch Neues bis dahin in der Kategorie "mein Geheimnis" aufzubewahren. Es könnte die Sache entspannen, wenn Du gelegentlich mal klarstellst, dass Du diese Website nicht als Belästigung empfindest (falls es wirklich so ist). Vergiss dabei nicht: Die schönsten Texte sind noch ungeschrieben! Indizien dafür, dass Du die Freiheit ähnlich wie ich liebst, könnten mich sehr motivieren, Dir auch zukünftig etwas Einblick zu geben in das, womit ich mich so auf Resonanz einlasse.

Ich bin gespannt, womit uns das Leben durch das, was von einem zu tiefen Standpunkt aus betrachtet nach einer Einschränkung aussieht, hier beschenkt. Pass gut auf Deine Freiheit auf. I'm never far away!

Mystyqus


P.S.: Dein Blick auf den "Spiegelbildern" geht total tief unter die Haut (und ist völlig ungeeignet, das Hochschwappen meiner Gefühle zu dämpfen...).

P.P.S.: Damit Du nicht vorschnell mit Gezähmtheit sympathisierst, gehe ich jetzt in den Garten und pflücke ein paar Erdbeeren ... ... ... - hier bin ich wieder, sogar ein Bildchen hab ich Dir mitgebracht; bitten sie nicht förmlich darum, vernascht zu werden? - und in Gedanken halte ich sie an Deine Oberlippe, damit ihr frischer Duft Dich betört, spiele mit ihnen an Deinen Lippen, bis sie sanft dazwischengleiten, und reibe sie leicht an Deinen Zähnen, damit ihr fruchtiger Saft Dir das Wasser im Munde zusammenlaufen und Dich ins Reich der Sinne abdriften lässt. Damit betupfe ich dann langsam Deine Wangen, Deine Stirn, Deinen Hals,... und schiebe Dir ab und zu eine in den Mund oder nasche selbst daran. Mmmh... Na, was wählst Du, Prinzessin? Wählst Du Gezähmtheit (ein anständiges Mädchen isst ja einem "Fremden" nicht aus der Hand) oder wählst Du, zu erfahren, wozu alles gedacht ist und wovon sowohl Erdbeeren als auch meine Gedichte nur eine kleine Kostprobe sind: den vollen Geschmack der Süßigkeit des Lebens?

Erdbeeren

Zurück