November 2019
wenn ich einen Liedtext modifiziere, bedeutet das nicht, dass ich meinen Text für besser als das Original halte – es ist dann nur mehr von meinem Fühlen, Denken und Weltbild darin eingewebt. Angesichts von so schwerem im Raum Stehenden wie Martern aller Arten durfte es diesmal etwas beruhigend Schaukelndes sein. Was bot sich da mehr an, als die Barcarole von Jacques Offenbach?! Auch das Original ist schön, aber etwas, das man auch anders sehen kann, ist das darin zum Ausdruck kommende körperorientierte Mainstream-Verständnis von Zeit als etwas Entweichendem. Ja, auch ich bin ein Genießer und kenne Sehnsucht und bin auch kein Freund davon, den Himmel nur in ferner Zukunft zu erhoffen, statt ihn ins Hier und Jetzt zu holen, und habe auch nichts dagegen, wenn andere für ein paar Jahrzehnte völlig in die Illusion der Vergänglichkeit eintauchen, aber zu entdecken, dass ein wesentlicher Teil von uns nichts Endliches ist, und es sich beim Zerrinnen der Zeit folglich um eine Illusion handelt, und vor allem die äußerst weitreichenden Implikationen dieser Perspektivenänderung – auch schon für dieses Leben – zu entdecken, finde ich noch deutlich vergnüglicher, als sich der Illusion hinzugeben. Jedenfalls wäre mir für das Motiv, aus welchem heraus meine Gedichte entstehen, ein Erdenleben ähnlich zu kurz, wie eine Nacht. Hier also ist die neue Version der Barcarole: